Lebendige Ressource Boden

Die Vereinten Nationen rückten 2015 mit dem "Jahr des Bodens" die schwindende und doch so wichtige Ressource Boden in den Fokus. Die Böden sind eine nur langsame, sich über Generationen erneuernde Ressource. Der weltweite Raubbau in Deutschland, Europa, Amerika, Asien und anderen Erdteilen schreitet schneller voran als der Aufbau von Humus. Dabei sind die Böden  wichtig für die Ernährung, Natur und Klima.

 

Neben dem Flächenverbrauch wirkt auch die intensive industrielle Landwirtschaft negativ auf die Erdkrume. Der lebendige Boden laugt aus und degeneriert, Erträge werden geringer, wo die Agrarindustrie den Einsatz von Chemie und Dünger für mehr Erträge propagiert.

Doch die wachsenden Zugriffe der Siedlungsfläche auf die Landwirtschaftsfläche forcieren den Gedanken, mit industriellen Mitteln aus weniger Fläche in zersiedelter Landschaft mehr rauszuholen. Die Freiheit und Bereitschaft zum Erhalt von die Landschaft strukturierenden Elementen wie Bäume, Hecken und Blühstreifen sinkt. Ein Gedanke, der langfristig den Bauern noch mehr verlieren lässt. Der Konflikt um die Fläche wird zwischen Landwirten, Ansprüche für Gewerbe und Industrie und Naturschutz ausgetragen. Gerade aber Naturschutz und Landwirte müssen sich vereint gegen die kapitalgetriebenen Gelüste der nimmersatten Wirtschaft stellen.

Mit Ökolandbau zu lebendigen Böden

Aus der Informationschrift "Besser anders - anders Besser. Mit Agrarökologie die Ernährungswende gestalten" und dem Bodenatlas, Heinrich Böll Stiftung.

Heinrich-Böll-Stiftung: der Bodenatlas

Die Seite "Der Bodenatlas" der Heinrich Böll-Stiftung  auf www.boell.de widmet sich mit sich in einem tiefer gehenden Artikel dem Boden, seiner Bedeutung und Gefährdung. Verlinkt und präsentiert wird auch das 52-seitige PDF Bodenatlas: Daten und Fakten über Acker, Land und Erde. Ist Boden unerschöpflich?

Auf der Seite "Bodenatlas" werden einzelne Kapitel des PDFs auch als Internetseite angeboten. Z. B.:

Öko-Landbau: Der lange Kampf für bessere Böden

 

Das Festland wurde vom Menschen mit ungeheurer Brutalität erobert. Im neuen Erdzeitalter des Anthropozäns müssen große Flächen als Lebensgrundlagen abgeschrieben werden. Atomare Verseuchung durch Abfälle, Unfälle und Uranmunition (USA beim Irakkrieg), vemintes Gelände nach Kriegshandlungen, Tagebaue für Bodenschätze inkl Rückhaltebecken mit verseuchtem Wasser, Industrie- und Städtebau, Verkehr, ausgelaugte degenerierte Böden durch Intensivbewirtschaftung mit mineralischem Dünger und Pestiziden, ausgetrocknete Gebiete und Wüstenbildung infolge Klimawandel lassen die Flächen schwinden, die den kommenden Generationen für die Landwirtschaft bleibt.

Der Schatz, den Europa hat, sind die wenig verwitterten Böden mit vielen Mineralien. In  nebenstehender Karte ROSA dargestellt. Die gemäßigten Breiten bieten ein für die Böden schonendes Klima, dass die Humusbildung fördert und Verwitterung bremst.

Andere Böden sind z. B. schwerer, haben einen hohen Tonanteil und sind weniger durchlüftet. In der Karte HELLGRÜN, siehe USA.

Die millionen Jahre alten Böden der Tropen haben Nährstoffe wie Phosphor freigesetzt. Ist der pflanzliche Bewuchs einmal weg, werden sie hart und nichts wächst mehr, es kommt zur Versteppung.

Mikroorganismen schließen die im Boden enthaltenen Nährstoffe wie Kalium und Phosphor für die Pflanzen auf. Insbesondere die Mykorriza-Pilze machen Phosphor für die Pflanzen verfügbar. Organischer Dünger nährt das Bodenleben, chemischer Dünger nährt zwar direkt die Pflanzen, macht den Mikroorganismen aber den Garaus.

Der kürzeste Weg ist also nicht der beste. Die Bio-Landwirtschaft steigert auch bei weniger guten Böden die Bodenfruchtbarkeit mit Verzicht auf minerlischem Dünger und Zugabe von organischem Dünger. Sie setzt auf die besten Mitarbeiter - die Mikroorganismen im Boden.

Ökologisch bewirtschaftete Böden bilden mit den Pflanzen ein Ökosystem, wo es mit Regenwürmern, Asseln, Spinnen und Springschwänzen nur so von Leben wimmelt. Regenwürmer und Maulwürfe bohren und graben Wasserleitbahnen . Der Boden wird so durchlüftet und die Aufnahmekapazität von Wasser wird gesteigert.  Die Mikroorganismen verarbeiten Pflanzenreste und natürlichen Dünger zu Humus. Permakultur wird die Bepflanzung mit Bäumen und stockwerkartiger Bepflanzung genannt, wo Durchwurzelung und herabfallende Blätter die Bodenorganismen ernähren und den Boden kräftigen. Ähnlicher Effekt auch bei Agroforstwirtschaft.

 

Der Aufbau von Humus dient auch dem Klimaschutz. Man schätzt dass der Humus der Erde dreimal so viel Kohlenstoff bindet wie aller Bewuchs. Im Ökolandbau enthalten die Böden 3,5 Tonnen mehr Kohlenstoff pro Hektar als nicht ökologisch bewirtschaftete Böden. In Europa binden Böden mit der Bodenbedeckung neben Bäumen und Totholz 67% Kohlenstoff. Siehe dazu Beitrag des Landsektors zum Klimaschutz

 

Gegen Erosion und Freisetzung von CO2 wird die pfluglose Landwirtschaft propagiert. Ohne ökologisches Gesamtkonzept zur Lockerung des Bodens und Aktivierung des Bodenlebens kommt es aber zur Verkrautung, Pilze und Schnecken machen sich breit. Da kommen dann die Chemiekonzerne mit Totalherbiziden (Glyphosat) und Pestiziden auf den Plan. Die gute Sache mit weniger Pflügen geht bei der konventiellen Landwirtschaft nach hinten los.

Die konventionelle Landwirtschaft hat zu einer Verschlechterung der Böden in Europa geführt, obwohl das wenig aggressive, milde Klima gute Vorraussetzungen zur Bodenentwicklung bietet.

35 % der Böden sind verdichtet. Weitere sind degradiert, haben deutlich an organischer Substanz verloren.

Negativ auf das Bodenleben wirken sich Herbizide, aber auch Mineraldünger, Hochleistungssaatgut und enge Fruchtfolgen aus.

Bei den Herbiziden wie Glyphosat ist es so, dass sie gerade die Pflanzenkrankheiten und krankheitserregende Pilze fördern, das Bodenleben schädigen und die Aufnahme von Mikronährstoffen beeinträchtigen, wo sie doch mit der Eliminierung allen störenden Grüns "gutes" tun wollen.

Der zum überwiegenden Teil eingesetzte synthetische Stickstoffdünger auf Ammoniakbasis führt zur Versauerung. Phosphor kann sich dann nur schwer herauslösen. Der Dünger hintertreibt also die natürliche Ernährung und es wird noch mehr gedüngt. Stickstoff führt zum Abbau von Humus. Die natürliche Fruchtbarkeit des Bodens nimmt also ab, die Erträge sinken.

 

In der EU wird 60% des angebauten Getreides an das Vieh verfüttert. Die Massentierhaltung hat die Tiere von den Weiden weggesperrt, aus den Wiesen wurden Äcker mit intensivem Anbau von Futterpflanzen. Bauernverband, Deutschland und die EU propagieren den Fleisch- und Milchexport. Eine andere Konsum- und Agrarpolitik könnte zu einem sinken der Nachfrage nach Futterpflanzen führen und damit zu schonendere Bewirtschaftung des Ackerlandes führen.

Überhaupt ist es von der Energieausbeute her widersinnig, Getreide an  Kühe zu verfüttern. Die sinnvolle Landnutzung ist die Veredlung von Gras zu Nahrungsmitteln, also Beweidung. In Deutschland ein eher seltenes Bild, in Frankreich verbreiteter, wo auf jedem Fleck eine Kuh steht.

In Kombination mit Ackerbau ergibt sich ein nachhaltiger Kreislauf, wenn die Pflanzenreststoffe an die Tiere verfüttert werden und der Dung das Bodenleben nährt und Humus aufgebaut wird.

Aber die Massentierhaltung hat die Anbaufläche für Futterpflanzen aus der EU herausverlagert. Der Landfußabdruck der EU in der Welt beträgt 640 Mio Hektar pro Jahr. Europa ist das stärkste von außerhalb seiner Grenzen abhängige Land. Für den  Import von Soja aus Nord- und Südamerika und Asien werden jährlich ca. 16 Mio Hektar verbraucht. Große Flächen Regenwald gehen für unsere Massentierhaltung drauf.

Und in Europa, insbesondere Deutschland ist der Bezug zum Boden und landwirtschaftlichen Flächen so gering ausgeprägt, dass Kommunen und Wirtschaft leichtes Spiel haben, wenn sie zur Umnutzung auf Flächen deuten. Bereits 5% sind der Bundesrepublik mit vollständig künstlichen Oberflächen bedeckt, der raumgreifende Flächenfraß betrug 2018 immer noch täglich 60 Hektar, in Baden-Württemberg 5,5 Hektar. Inklusive Grünflächen haben Siedlungs- und Verkehrsflächen im Land inzwischen einen Anteil von rund 15%. Siehe Flächenverbrauch und gebeugtes Recht

 

Was können die Bauern tun?

Bei den Landwirten ist inzwischen angekommen, dass die Bodenfruchtbarkeit mit der konventionellen Bewirtschaftung auf dem absteigenden Ast ist, sich Böden immer weiter verschlechtern, Ernten imer weniger werden. Es bilden sich Rillen und Runsen. Errosion setzt ein.

Schaut man nach Afrika, nach Äthiopien kann man lernen, wie man bei Verzicht der Agrokonzernprodukte zu größerem Erfolg kommt. Vielfältige Jahrhunderte alte Methoden haben die Böden durch die Zeit gebracht. Diese sind z. B. Mischanbau mit Schatten spendenden Bäumen und Vegetationsstreifen.

 

Moderne Ansätze im Ökolandbau greifen traditionelle System auf. Diese Ansätze können in 4 Gruppen eingeteilt werden:

  • Agrarwissenschaftliche Maßnahmen
    • Zwischenfrucht  mit Hülsenfrüchten für natürliche Stickstoffdüngung, Düngung mit Kompost, Mulch und Dung zur Ernährung der Bodenbewohner (siehe oben)
    • Conservation Agriculture, bei der Boden nicht mehr gepflügt wird. Statt dann aber auf Pestizide gegen Unkraut wie bei Monokulturen in den USA zu setzen, muss anders gewirtschaftet werden. Schutz mit Gründüngung und Mulchen, andere Werkzeuge und mehr Arbeitskraft an dieser Stelle. Dafür Zeitersparnis ohne sprühen von Herbizide. Zumal Herbizide wie Glyphosat resistente Superunkräuter entstehen lassen.
  • Auf die Vegetation ausgerichtete Maßnahmen
    • Strukturen in der Flur zur Verlangsamung des Wassers. Gras, Büsche, Bäume, Hecken. Auch für Weidetiere eine Futterquelle.
  • Strukturierende Maßnahmen:
    • Modellierung des Geländes mit Terrassen, Wällen und Drainagen. Dabei Einsatz natürlicher Materialien (Erde, Steine). Weltweite Beispiele der Reisanbau in China, Kartoffelanbau in den Anden.
  • Organisatorische Maßnahmen
    • Einteilung des genutzten Landes in Ackerbau, Beweidung, Brachflächen. Auch ruhende Wiesen.

Der lange Weg zum Bodenschutz, wie sooft mangelt es am politischen Willen. Dabei ist dieser ein Querschnittsthema für Menschenrechte, soziale Ziele, Biodiversität und Klimaschutz. Die Überschreitung der ökologischen Grenzen, Zugang zu Land und Ernährungssicherheit geht alle an. Ein erster Schritt gelang 1992 mit dem Beschluß auf dem UN-Gipfel in Rio mit dem Ziel, die Bodendegradation bis 2030 zu stoppen, allerdings nur "Netto". Inzwischen Ziel der UN-Nachhaltigkeitsziele 2015.  Für den verantwortungsvollen Umgang mit Landrechten zum Schutz vor Investoren stimmte die FAO (Food and Agriculture Organization)  2012 freiwilligen Leitlinien zu.

Let's talk about soil.

Der Kampagnenfilm zum Jahr des Bodens 2015.

Aktion Agrar